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Wien: Christen demonstrierten gegen Völkermord durch IS

Mit einer Demonstration auf der Ringstraße und einer Kundgebung vor dem Parlament machten am Samstagnachmittag die assyrischen, aramäischen und chaldäischen Christen Wiens auf die dramatische Situation ihres Volkes in Syrien und im Irak aufmerksam. Mit einer Demonstration auf der Ringstraße und einer Kundgebung vor dem Parlament machten am Samstagnachmittag die assyrischen, aramäischen und chaldäischen Christen Wiens auf die dramatische Situation ihres Volkes in Syrien und im Irak aufmerksam.

Assyrische, aramäischen und chaldäischen Christen Wiens machten bei Kundgebung vor Parlament auf dramatische Situation ihres Volkes in Syrien und im Irak aufmerksam: Wiederholung des Völkermords von 1915 ist "Schande der Menschheitsgeschichte"

Mit einer Demonstration auf der Ringstraße und einer Kundgebung vor dem Parlament machten am Samstagnachmittag die assyrischen, aramäischen und chaldäischen Christen Wiens auf die dramatische Situation ihres Volkes in Syrien und im Irak aufmerksam:

Genau hundert Jahre nach dem Beginn des Völkermords an diesen Christen der syrischen Tradition im damaligen Osmanischen Reich verübe die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) einen neuerlichen Genozid am Volk der Suryoyo, so der Tenor bei der Demonstration.

Mehr als 1.000 Mitglieder der assyrischen, aramäischen und chaldäischen Kirchengemeinden und Organisationen Wiens beteiligten sich an der Kundgebung, die mit den blau-weiß-roten Fahnen der assyrischen Nationalbewegung über die Ringstraße zog.

Der syrisch-orthodoxe Chorespiskopus Emanuel Aydin bezeichnete den Zustand des Christentums im Nahen Osten als "erschreckend". "Wenn die internationale Gemeinschaft nicht bald einschreitet, wird es im Orient bald keine Christen mehr geben", so Aydin im "Kathpress"-Gespräch bei der Kundgebung.

Er zog in diesem Zusammenhang auch Parallelen zum Genozid an den Armeniern aus dem Jahr 1915. "Es liegt nun fast hundert Jahr zurück, dass mehr als 1,5 Millionen Armenier sterben mussten, umso trauriger ist es, dass wir heute wieder mit solch einem Unrecht konfrontiert sind".

Von der Republik Österreich forderte Aydin mehr Solidarität. Er habe das Gefühl dass in der Politik und der Gesellschaft eine Gleichgültigkeit gegenüber dem Schicksal der Christen im Nahen Osten herrsche.

Diese Gleichgültigkeit bedeute aber den Tod für tausende Menschen. Deswegen forderte er neben der Errichtung einer Schutzzone in der Region auch eine gezielte Asylpolitik für Christen auf der Flucht. "Österreich als christliches Land hat die Pflicht, sich den Christen in besonderer Weise anzunehmen und ihnen Asyl zu gewähren", so der syrisch-orthodoxe Chorespiskopus.

Die angesprochene autonomen Zone für Christen sollte im Gebiet von Mosul und der Ebene von Ninive liegen, erläuterte Aydin. Auch wenn eine solche Zone "vielleicht ein Ghetto sein" könne, gebe es keine Alternative, um das Lebensrecht der Christen in diesem Raum und zugleich das assyrisch-aramäisch-chaldäische kulturelle Erbe zu sichern, das derzeit "von den Barbaren des IS vernichtet wird".

Auch wäre es angezeigt, wenn sich das offizielle Österreich für die Entsendung einer internationalen Delegation einsetzt, um die Situation in Syrien und im Irak an Ort und Stelle zu prüfen.

Auf den Plakaten der Demonstranten hieß es u.a. "Stoppt die Gewalt gegen Christen in Syrien und im Irak", "IS nimmt Christen die Würde, der Westen setzt keine Hürde", "Tod und Gewalt, IS kennt keinen Halt. Genozid 1915 - 2015".

Ausdrücklich wurde auf einem Plakat auch die Freilassung der beiden vor zwei Jahren entführten Metropoliten von Aleppo, Mar Gregorios Youhanna Ibrahim und Boulos Yazigi, gefordert.

An der Spitze des Zuges marschierten Geistliche der verschiedenen Kirchengemeinden der syrischen Tradition, Vorsitzende von Vereinen, aber auch der Wiener Weihbischof Franz Scharl , "Pro Oriente"-Präsident Johann Marte und österreichische Politiker. In Sprechchören wurde immer wieder skandiert: "Stoppt den Terror" , "Rettet die Christen" und "Nieder mit dem IS".

Schweigeminute und Vater Unser

Die Kundgebung vor dem Parlament begann mit einer Schweigeminute für die von den Djihadisten in Syrien und im Irak ermordeten und gedemütigten christlichen Opfer. Chorbischof Aydin kritisierte den Westen: "Wenn kümmert es, wenn im Nahen Osten Christen verschleppt oder ermordet werden? Wo sind die Protesterklärungen, die Pressekonferenzen, die Hirtenbriefe, wo ist Obama, wo sind die politischen Führungspersönlichkeiten des Westens, wo ist die Stimme jener Muslime, die sich von den Gewalttaten des IS distanzieren?"

Der Westen habe Öl ins Feuer geschüttet, sich in Syrien eingemischt, Gruppierungen unterstützt, die den Christen die Bürgerrechte vorenthalten wollen, stellte Aydin fest. Aber jetzt sei niemand bereit, Verantwortung zu übernehmen. All dies geschehe genau hundert Jahre nach dem Beginn des von der jungtürkischen Regierung des Osmanischen Reiches in Gang gesetzten Völkermordes an den armenischen, syrischen und griechischen Christen, dem insgesamt 2,5 bis 3 Millionen Menschen zum Opfer gefallen seien. Die heutige offizielle Türkei bekenne sich nicht zu ihrer Verantwortung, "das Blut der Ermordeten schreit noch immer zum Himmel um Gerechtigkeit"; es gebe Hinweise, dass auch die heutige türkische Regierung den IS unterstütze und Handel mit den Terroristen treibe, so Aydin.

Die Christen der syrischen Tradition seien trotz aller Verfolgungen fest entschlossen, so wie ihre Vorfahren dem Glauben an Jesus Christus treu zu bleiben, unterstrich der Chorbischof. In der Bibel seien Verfolgungen vorausgesagt, "das hilft uns, den Glauben zu bewahren". Die orientalischen Christen seien erfüllt von der Hoffnung auf wahren Frieden, sie seien überzeugt, dass "das wahre Licht Jesu Christi" über das "falsche Licht Luzifers" obsiegt.

Abschließend betonte der Chorbischof, dass sich die Christen der syrischen Tradition für die Erneuerung der österreichischen Gesellschaft einsetzen wollen. Das Gebet dieser Christen gelte auch den Politikern und selbst den islamistischen Verfolgern. Aydin: "Wir appellieren an die Islamisten: Legt die Waffen nieder, lasst unsere entführten Männer, Frauen und Kinder frei, gebt uns unsere Bischöfe wieder".

Die Sprecherin des kurzfristig nach dem Überfall der IS-Terroristen auf die christlichen Dörfer am Khabour-Fluss in der syrischen Djazira (23. Februar) begründeten österreichischen Aktionsbündnisses "Assyrer, Aramäer, Chaldäer", Renya Matti, rief dazu auf, den Untaten des IS nicht mit "Schweigen und Untätigkeit" zu begegnen. Der IS begehe derzeit einen Völkermord an "einem der ältesten Völker der Welt". Sie erinnerte daran, dass die IS-Milizionäre im Juni des Vorjahrs nur 24 Stunden gebraucht hatten, um durch die Anwendung von Terrormethoden nach NS-Vorbild die Stadt Mosul "christenfrei" zu machen. Die Ideologie des IS richte sich gegen die ganze Menschheit und deren Kultur. Dringend notwendig sei, so Renya Matti, humanitäre Soforthilfe für die vertriebenen oder zur Flucht gezwungenen Christen im Raum von Euphrat und Tigris.

Weihbischof Franz Scharl betonte eindringlich, dass der Völkermord an den Christen der syrischen Tradition heute - anders als der Völkermord von 1915 mitten im Chaos des Weltkriegs - nicht übersehen werden könne. Er appelliere daher auch an die österreichischen Parlamentarier ebenso wie an die ganze Öffentlichkeit des Landes: "Man darf nicht wegschauen".

Der Wiener sozialdemokratische Landtagsabgeordnete Peter Florianschütz bezeichnete die Wiederholung des Völkermords an assyrischen, aramäischen und chaldäischen Christen hundert Jahre nach dem Blutbad ab 1915 als "Schande der Menschheitsgeschichte". Auch das offizielle Österreich müsse sich dafür einsetzen, dass "schnellstmöglich" eine Schutzzone ("save haven") für die verfolgten Christen im mesopotamischen Raum geschaffen werde.

Der Vorsitzende der österreichischen Sektion der Assyrischen Demokratischen Organisation, Bezirksrat Aslan Ergen, hob hervor, dass die Vorgänge in Mosul, in der Ebene von Ninive, am Ufer des Khabour-Flusses "eins zu eins wie beim Völkermord 1915" ablaufen, der im kollektiven Gedächtnis der Christen der syrischen Tradition tief verankert sei. Den IS-Terroristen gehe es darum, die Präsenz und alle Spuren der Christen, Jeziden und anderer Minoritäten auszulöschen.

Zum Abschluss der Kundgebung vor dem Parlament beteten die Teilnehmenden auf Aramäisch - in der Sprache Jesu - das Vaterunser.

 

aus: erzdioezese-wien.at o.Ä

2473 Last modified on Sonntag, 29 März 2015 19:51
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